Ein Gedenkblatt für Augusto Boal
Mittwoch, den 27. Januar 2010
Augusto Boal - Der Bertold Brecht Lateinamerikas
Der Mann hatte lockiges Haar wie ein Löwe, große Hände, und wenn er sprach, schien es, als wollte er seine Gedanken auch noch im Großformat auf eine Leinwand malen. Die Gesten waren das erste, was mir auffiel, als ich ihn 1993 zum ersten Mal sah. Augusto Boal stand auf einem Platz in Rio de Janeiro, hinter ihm Wolkenkratzer, Hochstraßen, und eröffnete sein internationales Theatertreffen.
Man hörte ihm zu aus scheppernden Lautsprechern, und er erzählte die ganze Geschichte. Wie er während der Militärdiktatur 1971 verhaftet, gefoltert, wieder freigelassen wird und nach Buenos Aires geht, immer in geheimdienstlicher Begleitung. Um Theater zu spielen, muss er „Unsichtbares Theater“ erfinden und macht Vorortzüge, Straßen und Restaurants zur Bühne und die Szene aus Sicht ahnungsloser Zuschauer zur Realität. Als die meisten Schauspieler verhaftet werden, flieht er nach Peru. Er beteiligt sich an Alphabetisierungsprojekten und entwickelt in den Slums das „Forumtheater“, Spiel plus anschließend szenische Diskussion, die Zuschauer sollen sich äußern.

